Stereotype auf dem Prüfstand – Austausch zwischen Bayern und den Abruzzen

Sind Deutsche immer pünktlich? Essen Italienerinnen mindestens ein Eis am Tag? Wie feiert man kulturelle Feste? Solchen Stereotypen und interkulturellen Fragen ging eine Gruppe des Maria-Theresia-Gymnasiums München gemeinsam mit Austauschpartnern des Polo Liceale Statale Saffo in Roseto degli Abbruzzi nach.

Los ging es im Dezember 2025, als 10 italienische Gastschülerinnen München besuchten und für eine Woche bei Schülerinnen und Schülern der 9. bzw. 10. Klasse untergebracht waren. Vormittags besuchten sie regulär den Unterricht am Maria-Theresia-Gymnasium, an den Nachmittagen zeigten ihnen die Gastgeber Leben im vorweihnachtlichen Deutschland. Dass man Weihnachtsmärkte in Italien so gut wie gar nicht kennt, überraschte einige – und die zahlreichen Christkindlmärkte ihrerseits begeisterten italienische Schüler wie Begleitlehrkräfte. Als Teil der deutschen Nationalidentität sprachen die beiden Gruppen zudem im Rahmen eines Besuchs in Dachau über den Holocaust und seine Auswirkungen. Anlass dazu bot auch der besuchte Geschichtsunterricht.

Einige Monate später, in der Woche nach den Osterferien, reiste die deutsche Gruppe in die Abruzzen, als Begleitung waren Frau Engeser und Herr Funk dabei. Von den Schülern waren dabei: Aus der 9. Klasse Caldevilla Delussu Alba, Günter Greta, Kupca Nina, Lischka Helene, Markgraf Leonardo, Niewiadomski Laura, Orlando Rosa Valeria, Raasch Aurelia und aus der 10. Klasse Rinkenburger Franziska und Vogt Benedikt.

In der Woche verglichen die Schüler gemeinsam, welche Unterschiede sie erkannt haben und welche Vorurteile sich verändert haben. Ein schnell entdeckter Punkt war Essen: So mancher Schüler war überrascht, dass „traditionelles“ regionales Essen oft weder aus Pizza noch aus Pasta bestand. Dass in den Gastfamilien oft nur wenig Englischkenntnisse vorhanden waren, stellte die Jugendlichen auf die Probe. Der Schulalltag im italienischen Liceo war ungewohnt und wurde teilweise als so chaotisch erlebt, dass eine Teilnehmerin vom „Privileg“ sprach, eine deutsche Schule zu besuchen. Zusätzlich erlebt die Gruppe aber auch die Umgebung und konnte sich in die Lebenswelt der Gastgeber einfühlen: Beispielsweise machten Tripps in die Umgebung (u. a. zu den bekannten „Confetti“-Fabriken oder nach Teramo) verständlich, dass die Region inzwischen auch sehr touristisch geprägt ist. Die Ergebnisse dieser interkulturellen Aspekte hielten die Teilnehmer in einem „Magazin“ über den Austausch fest.

Nach einer intensiven Woche war so das einhellige Urteil: An vielen Stereotypen ist durchaus was dran, aber für ein umfassendes Urteil ist Zeit vor Ort unerlässlich. Dass viele von uns sich auch wieder auf Zuhause und die „alten Gewohnheiten“ freuten, tut dem keinen Abbruch.