Heimat als flüchtiger Moment: Abiturienten auf literarischer Spurensuche

Welche Bedeutung hat ein Menschleben angesichts der Ewigkeit der Natur? Was gehört uns wirklich? Definiert sich unsere Identität über das, was wir besitzen? Und was bleibt von uns übrig, wenn uns unser Grund und Boden (durch Krieg, Enteignung oder Tod) genommen wird? Wie bewahrt man seine Identität, wenn der physische Ort der Heimat verloren geht? Und schließlich: Wie gestalten wir unser Leben an einem Ort hinsichtlich der Zeitgeschichte? Kann man an einem historisch belasteten Ort unschuldig existieren?

Diese existenziellen Fragen stellen sich derzeit bayernweit die Abiturientinnen und Abiturienten. Beim ersten G9 Jahrgang ist nämlich die Lektüre „Heimsuchung“ von Jenny Erpenbeck ein Schwerpunktthema des Deutschabiturs. Die Lektüre beleuchtet genau diese Themen anhand der hundertjährigen Geschichte eines Hauses in Brandenburg. Der Deutschkurs D4 näherte sich diesem sehr gehaltenvollen Werk in Form eines Projektes an. Mit Plakaten und einem Zeitstrahl machten sie das Haus und seine Bewohnerinnen und Bewohner sichtbar. Zentral dabei sind die Fragen: Welche Motive werden für die literarische Darstellung der vielfältigen Lebensentwürfe verwendet? Wie werden die Schicksale sprachlich dargestellt? Und welche Rolle spielt Literatur beim Erinnern?